Kreativer der Woche: Mathias Vietmeier, München (D)

Herr Vietmeier, wir freuen uns, Sie als "Kreativen der Woche" zu begrüßen. Können Sie sich kurz den Lesern von Shortcut-to-Brilliant vorstellen?
Mein Name ist Mathias Vietmeier. Ich arbeite als freiberuflicher Grafikdesigner und Fotograf. Ich bin in Lemgo/NRW geboren und habe in Berlin an der Universität der Künste studiert. Nach Zeiten in Zürich, München und Köln habe ich mich in München niedergelassen. Ich arbeite in meinem Büro im Münchner Glockenbachviertel, von wo ich mit Verlagen, Agenturen und Unternehmen aus Handel und Industrie zusammenarbeite.
Wie ist Ihr persönlicher Werdegang verlaufen? Wollten Sie immer Designer werden?
In meinem Elternhaus waren alle irgendwie kreativ tätig. Meine älteste Schwester studierte Werbegrafik und Fotografie, meine Mutter hat gemalt und mein Vater fotografiert - als Hobby, aber sehr enthusiastisch. So war der Weg nicht weit, auch etwas in dieser Richtung zu machen. Meine erste Kamera bekam ich mit neun - so ein 6x9-Dings mit Balgen, wenig später hatte ich meine erste Dunkelkammer. Ich hab alles mitgemacht, was es an Mal- und Fotokursen gab und Kunst war das einzige Fach, das mich an der Schule interessierte.
Als ich 16 war, wurde eine Werbeagentur auf mich aufmerksam. Dort habe ich dann in den Sommerferien gearbeitet. Nach dem Abitur gab es die Frage: Was studieren? Die eine Option war Grafikdesign. Die zweite Möglichkeit wurde durch meinen Kunstlehrer inspiriert: Ich wollte zwar nie Lehrer an einer Schule werden, aber „irgendetwas” Kreatives mit Menschen zu machen, schien mir interessanter, als den Rest des Lebens am Schreibtisch Kühlschrankwerbung zu kleben.
So begann ich an der Berliner Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) ein Studium der Kunstpädagogik und Kunstwissenschaften. Das Studium war sehr praxisorientiert, ich habe großformatig gemalt und mich mit Druckgrafik (Radierung, Siebdruck, Lithografie) beschäftigt. Grafikdesign, Fotografie und Video waren auch Teile des Studiums.
Im Nebenfach machte ich einen Abschluss in Erziehungswissenschaften und Philosophie. In dieser Phase stand viel Nachdenken über das Leben an. Ich habe alles gelesen was ich in die Finger bekam - nur fand ich keine Antworten. Was machen wir auf dieser Kugel? Antworten fand ich schließlich in östlichen Gedankenwelten, wie z.B. dem Zen-Buddhismus. Hierdurch änderte sich radikal mein Verständnis von Kreativität.
Vorher dachte ich: Kreativität hat etwas mit Farben und Pinseln zu tun. Nun konnte alles für mich kreativ sein. Man kann unkreativ malen und fotografieren. Man kann kreativ im Garten arbeiten oder putzen. Kreativität wurde zur Einstellung - zu einer inneren Sicht der Dinge. Es ist die Qualität mit der man handelt.
Dies war eine große Befreiung für mich. Während der westliche Kreativitäts-Anspruch ganze Künstlergenerationen zum Ohrabschneiden oder Selbstmord getrieben hat, hat die östliche Vorstellung von Kreativität mehr mit Spiel zu tun. Und das Spiel kann überall passieren … nicht nur an der Leinwand.
So habe ich mir nach dem Studium eine Pause von der visuellen Kunst gegönnt.
Ich war Kellner, Diskobesitzer, Agentur-Freelancer, machte Städteradierungen und eine Ausbildung zum Körpertherapeuten. Habe ausführlich Europa, Amerika und Asien bereist. Dieser Freiheitsdrang endete nach einer Asienreise im Krankenhaus. Ich hatte ein Infektion mitgebracht, die mich ein Jahr lang beschäftigte.
Mein Leben musste sich ändern: Eine etwas ruhigere Zukunft stand an.
Ich habe mich in München niedergelassen und nach anfänglichen Freelance-Runden bei Zeitschriftenverlagen eröffnete ich mein Grafikbüro.
Und haben Sie in Ihrer kreativen Arbeit einen Schwerpunkt gelegt?
Das Schöne an diesem Beruf ist ja seine Vielseitigkeit. Ich habe daher mehrere Schwerpunkte:
a) Print Design, Full Service für Unternehmen:
Broschüren, Geschäftsberichte, Flyer, Kataloge, Verpackungen - alles was Unternehmen an Print-Werbung benötigen.
b) Photoshop-Spezialist: Composings / Aufmacher für Zeitschriften, Bildbearbeitung
c) Buchumschläge
d) Fotografie: Portraits für Business und Künstler (z.B.: Schauspieler, Moderatoren, Maler, Musiker, Schriftsteller), Aktfotografie
e) Dozent an der Akademie des Deutschen Buchhandels in München
f) In Planung: Online-Video
Für welche Kunden sind Sie in Ihren Projekten tätig?
Ich mache das Ganze ja schon seit über 20 Jahren. So hat sich eine lange Kundenliste angesammelt, ich nenne nur eine Auswahl. Die ganze Liste kann man auf meiner Homepage sehen unter: http://www.vietmeier.com/kundenliste
a) Unternehmen: Einige der größeren: Siemens AG, Daimler AG, BMW AG, T-Online. Ich arbeite aber auch für “den Bäcker um die Ecke”.
b) Zeitschriften-Verlage: Burda-Verlag: Focus Magazin, Focus Online, Focus TV
Neue Mediengesellschaft Ulm: MACup, com! Magazin, Internet World Business
Cosmopolitan
c) Buch-Verlage: Ullstein, Random House, Heyne, Brockhaus, Duden
d) Agenturen: Abold, LoeschHundLiepold, albertZWEI media
Das ist ein komplexes Thema.
a) Wie ich bereits in der Frage zum Werdegang ausgeführt habe, hat sich meine Einstellung zu dem Begriff „Kreativität” im Laufe der Jahre geändert.
Heute kann ich ein Telefonbuch am Computer setzen und mich dabei kreativ fühlen.
Manchmal sind gerade diese einfachen Arbeiten die Entspannung nach einer aufreibenden Neuentwicklung.
b) Die Zusammenarbeit mit einem Kunden ist immer eine Art Tanz bzw. ein Ping-Pong-Spiel. Mir kommt es dabei mehr auf die gute Chemie und Kommunikation an, als unbedingt meine Ideen durchzudrücken. Es gibt Kunden, die einem sehr viel Freiraum geben. Andere haben klare Vorgaben. Hat alles seine Vor- und Nachteile.
Das ist schwierig, EIN Lieblingsprojekt auszuwählen.
Ein besonderes Projekt waren die Malereien für Buchumschläge vom Heyne- und Ullstein-Verlag.
Ich hatte den Job, eine typografische Gestaltung zu machen und für den Hintergrund Bilder bei Bildagenturen zu bestellen. Im Studium hatte ich viel gemalt, doch dann lange nicht mehr zum Pinsel gegriffen. Ich hatte einige Ideen für abstrakte Hintergründe und dachte: Ich male selbst was, mal gucken, was der Verlag dazu sagt. Sechs Bilder entstanden - teils traditionell mit Pinsel und Farbe, teils digital mit Corel Painter und Adobe Photoshop. Und - oh Wunder … alle sechs wurden genommen und gedruckt.
Einige Monate später las ich von einem Wettbewerb einer japanischen Galerie in New York. Einige meiner Arbeiten für die Buchumschläge passten zum Thema. Also hab ich sie hingeschickt. Und so ging es weiter: Eine Arbeit wurde für eine Ausstellung in einer weiteren New Yorker Galerie im Rockefeller Center ausgewählt. Dann ging die Ausstellung nach Japan.
Es ergab sich sogar ein Kontakt zu einer Kuratorin des Museum of Modern Art. Der hab ich halb im Scherz meine Arbeiten als Donation angeboten :) Das hat nicht geklappt, aber Sie hat mich daraufhin zum sogennanten “Showing Program” des MoMA eingeladen, wo sich die Kuratoren neue Dinge in der Kunstszene angucken.
USA - Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Wirklich wahr …
Ein weiteres Projekt, dass viel Spass machte, war der Bericht für das Bayerische Fernsehen über die Möglichkeiten von Adobe Photoshop. Den Film kann man auf meiner Homepage anschauen: http://www.vietmeier.com/photoshop-muenchen.html
Ich mache gerne Projekte, bei denen unterschiedliche Techniken zusammenfließen:
Typografie, Malerei, Fotografie, Video, …
Wer könnte so was brauchen? Firmen die ihre Unternehmenskommunikation multimedial umsetzen: Adobe, Apple, Sony, Nike, Adidas - hör Ihr zu? :)
Mit wem? David Carson natürlich, mit dem will doch jeder Grafiker zusammenarbeiten :)
Was ist eine persönliche Energie- und Inspirationsquelle für Kreativität - ein Tipp wie Sie es schaffen, in Projekten Energie tanken?
Um kreativ zu sein, brauche ich eine Balance von Innen und Außen, Spannung und Entspannung. Manchmal bin ich zu weit draußen und etwas verwirrt vom heutigen Informationsangebot. Dann hilft es abzuschalten, zu meditieren, um wieder in die Kreativzone zu gelangen. Aber auch das Gegenteil kann passieren: Manchmal hilft Termindruck die nötige Spannung für Kreativität aufzubauen. Ich habe keine speziellen Quellen für Inspiration. Wir leben in einer so reizüberfluteten Welt - jede optische Information kann die Lösung für ein gestalterisches Problem sein.
Mathias Vietmeier´s Web-Koordinaten:
Meine Grafikdesign-Website: http://www.vietmeier.com
Meine Fotografie-Website: http://www.vietmeierfoto.de
Verlinken Sie sich mit mir! z.B. bei xing, twitter oder facebook:
http://www.mynameise.com/mathiasVietmeier
Projekte von Mathias Vietmeier
Kategorien: PRINT & LAYOUT, Kreativer der Woche
