Kreative der Woche: ist die Fotografin und Autorin Maike Jarsetz, Hamburg
Hallo Maike , wir freuen uns, Dich diese Woche als "Kreative der Woche" vorstellen zu dürfen. Viele kennen Dich von zahlreichen Events als PS-Expertin. Könntest Du Dich den Lesern von S2B trotzdem bitte kurz vorstellen?
Gern, ich bin als waschechte Hamburgerin in Norddeutschland verwurzelt. Meine beruflichen Wurzeln liegen in der Fotografie. Nach meiner Ausbildung bei einem Hamburger Werbefotografen habe ich einige Jahre als Gesellin und freie Assistentin gearbeitet und bin dann - nach einer weiteren Ausbildung – in die Agenturszene als Grafik-Designerin gewechselt. Der Grund für den Wechsel war sowohl die Lust auf Neues, als auch die vielfältigeren Möglichkeiten, frei arbeiten zu können. Außerdem war damals der Bereich "DTP" noch im Aufbruch und deshalb ein spannendes Arbeitsfeld.
Relativ schnell habe ich parallel zur kreativen Arbeit, Schulungen in allen relevanten Grafikprogrammen gegeben. So kam ich auch über Empfehlungen zu Adobe als Produktspezialisten. Durch die vielen öffentlichen Auftritte und Präsentation gab es einige Anfragen von Verlagen. Als Verlag, Lektor und Buchkonzept stimmte, habe ich 2005 mein erstes Photoshop-Buch geschrieben. und seitdem ist die Autorentätigkeit mein viertes, sehr wichtiges, berufliches Standbein.
In dieser Woche ist ja ganz aktuell Dein neues "Photoshopbuch: People und Porträt" in den Läden erhältlich. An welchen Projekten oder in welchen Beeichen arbeitest Du noch?
Oh, in vielen. Zur Zeit arbeite ich intensiv an mehreren Buchprojekten. Nach Aktualisierung meines Photoshop-Buches für digitale Fotografie auf die Version CS4, habe ich jetzt dieses neue Buch fertig gestellt, das sich ausschließlich mit Porträt- und Beautyretusche beschäftigt - das Thema brannte mir schon seit 2-3 Jahren unter den Nägeln, jetzt ist es fertig. Und als nächstes ist sicherlich ein Lightroom-Buch fällig, an dessen Konzept arbeite ich gerade und es wird hoffentlich schon zur Version 3 fertig sein.
Parallel vervollständige ich mein Portfolio mit Video-Trainings bei Galileodesign und Online-Trainings bei video2brain zu ganz spezifischen Bildbearbeitungsthemen, wie "Freistellen", "Raw von A-Z" oder "Schwarzweiß".
Neben diesen intensiven Schreibtisch- oder Studio-Arbeiten bin ich auch noch viel "on the road" und halte Vorträge vor Fotografenverbänden oder auf Veranstaltungen, zuletzt auf der Canon-Roadshow in Hamburg und Berlin. Parallel fallen immer noch viele Agentur-Schulungen an. Aktuell begleite ich eine Design-Agentur beim Umstieg von Quark auf InDesign.
Natürlich bearbeite ich auch noch Grafik-Projekte. Meine Kunden sind in erster Linie mittelständische Unternehmen, die ich vollständig im Gestaltungsauftritt betreue und neben der Grafikarbeit auch schon mal wieder mit Fotografie bediene.
Wie bist Du zum Thema Photoshop Präsentationen gekommen?
Wie schon erwähnt, hat sich früh ein Kontakt zu Adobe entwickelt und ich habe Präsentationen in erster Linie für Photoshop, InDesign und Illustrator gehalten. Mit dem flächendeckenden Einzug der digitalen Fotografie hat sich Photoshop mit vielen Funktionen stark wieder der Fotografie und Bildbearbeitung - die weit vor der 4C-Druckvorbereitung anfängt - zugewandt. Damit hat sich für mich ein Kreis geschlossen und ich kann in den Präsentationen und Vorträgen sehr viel aus Knowhow profitieren und weitergeben, das ich in meiner fotografischen Ausbildung schon mitbekommen habe.
Fotografisches Denken und Softwarefunktionen miteinander zu verknüpfen und anderen nahe zu bringen macht mir einfach Spaß. Und ich glaube, das merkt man auch.
Was ist Dir bei Deinen Buch- und Trainingsprojekten vor allem wichtig?
1) Direkte und gradlinige Lösungswege anzubieten.
Es nützt nichts, jemanden mit unzähligen Funktionen zu belasten, wenn dieser nach Stunden immer noch nicht weiß, wie er seine drei brennendsten Bildprobleme löst.
2) Den Blick aufs Bild nicht zu verlieren.
Ich halte nicht viel von Filter- und Effekthascherei, sondern finde es wichtiger, die Qualität und den Charakters des Fotos weiter herauszuarbeiten und dabei keine Verluste in bildwichtigen Bereichen hinnehmen zu müssen. Nach wie vor sollte die Hauptarbeit vor der Kamera stattfinden, die Arbeit hinter dem Rechner ist nur das Finetuning - mal mehr, mal weniger intensiv.
3) Neue Programm-Möglichkeiten nutzen.
Gerade in den letzten 3 Photoshop-Versionen hat sich unheimlich viel getan: Allein die Raw-Daten-Entwicklung und die Smart-Objekt-Technologie ermöglicht dem Fotografen und Bildbearbeiter das Bild über mehrere Korrekturphasen zu optimieren und trotzdem nicht-destruktiv, also ohne Verlust der Originaldaten, zu arbeiten. Das muss man einfach nutzen. Und auch bei vielen anderen, kleineren neuen Funktionen lohnt es sich, ausgetretene Pfade zu verlassen und diese für die alltägliche Arbeit zu nutzen.
Inwieweit hilft Dir Deine Tätigkeit als Trainerin und Autor bei Deinem Tagesgeschäft als "Kreative" ?
Davon profitiere ich sicherlich. Gerade in Workflow-Fragen bin ich durch die permanente Beschäftigung mit neuer Adobe-Software Up-to-Date und kann das in die Alltagsarbeit einfließen lassen. "Kreative Vorteile" gibt es da nicht - die Kreativität findet ja außerhalb der Software statt ...
Wie realisierst Du Deine eigenen Fotoprojekte, wie sieht dabei dein persönlicher Workflow aus?
Ich fotografiere aktuell mit einer Canon 5D Mk II. Die Bildorganisation und Bildentwicklung findet bei mir tatsächlich zu einem immer größeren Teil in Lightroom statt. Wenn ich die Spreu vom Weizen getrennt habe, versuche ich die Bilder weitesgehend in Lightroom zu optimieren - dabei arbeite ich ausschließlich auf Raw-Daten.
Wenn die Bilder spezielle Behandlung wie Perspektivkorrekturen, Panoramen, aufwendige Retusche oder Maskenarbeit verlangen, wechsle ich in Photoshop, wo auch die finalen Korrekturen stattfinden. Auch bestimmte "Looks", die ich in letzter Zeit öfter einsetze lassen sich in Photoshop dann flüssiger und genauer ausarbeiten.
Je nach Ausgabezweck, werden die Photoshopdateien dann entweder weiter in Lightroom-Katalog organisiert oder ich greife später über die Bridge auf die Bilder zu.
Bei meinen Projekten wechsle ich zwischen verschiedenen Lightroom-Katalogen. Privat organisiere ich alles in einem gemeinsamen Katalog.
Gibt es ein Event/Highlight oder Lieblingsprojekt an das Du besonders gerne zurückdenkst und wenn ja warum?
Mein erstes Buch, das ich 2005 geschrieben habe, war sicherlich ein berufliches Highlight. An Nachtschichten und seitenweise Akkordarbeit denkt man normalerweise nicht gern zurück, aber es war eine sehr intensive Zusammenarbeit mit meinem derzeitigen Lektor und es war einfach toll, dieses Projekt gemeinsam aus der Taufe zu heben.
Und ich denke auch gern an viele Events zurück, wie diverse Veranstaltungen des adf - Arbeitskreis für digitale Fotografie, die Adobe Live oder Nikon Solutions. Alles waren Veranstaltungen mit einer großen Community, es herrschte ein reger Austausch, gab gute Gespräche und eine gute Stimmung. Viele Kontakte, die ich auf diesen Veranstaltungen geschlossen habe, pflege ich noch heute.
Wenn Du den heutigen Photoshop mit dem Photoshop vor 7 Jahren (PS 7) vergleichst, was sind für Dich die bahnbrechenden Neuerungen/Features?
Auf jeden Fall die Möglichkeit mit Raw-Dateien zu arbeiten! In der digitalen Fotografie hat das unschätzbaren Wert für die Bildqualität. Außerdem hat sich dadurch die Bildoptimierung wieder dem Prinzip der klassischen Bildentwicklung zugewandt, die wohl jedem Fotografen mehr zusagt. Der Raw-Konverter entwickelt sich stetig weiter, so dass man immer mehr Arbeitsschritte in die Raw-Daten-Konvertierung verlagern kann.
Die Einführung der Smart Objects mit CS2 und deren Weiterführung in CS3 in der Smartfilter-Technlogie sind auch ein großer Segen. So kann man das ewige Ebenen-Duplizieren von früheren Version jetzt auf ein Minimum reduzieren und bleibt dabei noch flexibler. Ein echter nicht-destruktiver Foto-Workflow ist erst mit diesen beiden Konzepten möglich geworden.
Was ist Deine persönliche Inspirations-Quelle für Kreativität?
Reisen. Und dabei viel, viel sehen.
Damit meine ich keine Sightseeing-Ziele, sondern Lichtstimmungen, Perspektiven, Horizonte, Wasser ...
Halt alles, was ein Augenmensch so braucht.
Und natürlich der Austausch mit anderen Menschen, Meinungen, Blickwinkeln.
Dabei ziehe ich noch immer den echten Austausch dem virtuellen vor.
Auf welchen Events kann man Dich in diesem Jahr noch sehen und hören?
Zu der Public Beta Version von Lightroom 3 habe ich gerade ein Open Training fertiggestellt, dass in den nächsten Tagen online sein wird.
Mitte Dezember werde ich einen Lightroom-Workshop in München abhalten, den die Chip Foto Video digital zusammen mit Adobe als Gewinn im aktuellen Heft ausschreibt. Dann geht es, nach noch einigen Inhouse-Schulungen, erstmal wieder an den Schreibtisch: Lightroom 3 ruft …
Maike wir freuen uns auf die gemeinsame Woche mit Dir und sagen Danke für Deine Zeit!

Maike Jarsetz im Web:
www.jarsetz.com
Maike Jarsetz bei video2brain
Maike Jarsetz bei GalileoDesign
Kommentare
Hicore am 08.12.2009 14:06
Vielen Dank für ein weiteres Interview der spannenden "Kreative der Woche" Serie.
So lernt man schnell neue Kreative kennen und bekommt mit, wie die anderen so arbeiten.
Beste Grüße,
der Heiko
Katharina Hirsch am 11.12.2009 08:56
Vielleicht kommt ja auch mal ein Buch über Schwarz-Weiß? Das wäre wirklich toll, denn Ihr Feintuning aus dem Onlinetraining hab ich bis jetzt noch in keinem Buch gefunden.
Maike Jarsetz am 11.12.2009 17:18
@ Katharina Hirsch
Ja, Schwarzweiß ist ein tolles Thema!
Aber für ein ganzes Buch nur zu dem Thema war bisher wohl die Zielgruppe zu klein. Außerdem wären da noch ein paar weitere potentielle Buchthemen vorher an der Reihe :-) ...
Deshalb finde ich die Online-Trainings ja so toll - für diese "Nischen"-Themen sind sie ideal! Dort kann jedes Thema in der angemessenen Ausführlichkeit behandelt werden.
Volker INFFELD am 27.12.2009 18:35
Habe schon einige Größen des PS kennengelernt, arbeite selbst schon 10 Jahre damit, aber Maike ist absolute Spitze. Ganz toller Aufbau ihrer Lektionen und verständliche Erklärungen. Freue mich schon auf ihre nächste DVD "Beauty+Portrait", die ich mir bestellt habe.
Liebe Grüße Volker Inffeld