Kreative der Woche: Tania Reh, Berlin (D)
Hallo Tania Reh, wir freuen uns Sie diese Woche als "Kreative der Woche" vorstellen zu dürfen. Können Sie sich den Lesern von S2B bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Tania Reh. Seit 10 Jahren arbeite ich ausschließlich freischaffend als Fotografin und Künstlerin in Berlin. ln Paris geboren und in München aufgewachsen, lebe ich nach einer kurzen Episode in Freiburg im Breisgau nun schon seit 1991 in der heutigen Bundesshauptstadt.
Berlin ist meine Stadt. Ich liebe es, hier zu arbeiten und zu leben. Sie ist einzigartig und inspiriert mich täglich neu. Hier kann ich verwirklichen, worauf ich mich in den
33 Jahren, die ich bereits als freie Fotografin arbeite, parallel auch durch verschiedene Berufe im Angestelltenstatus hinentwickelt habe: als Reprofotografin, Fotolaborantin und Bildredakteurin. Mein individueller künstlerischen Anspruch an die Photographie ist sehr hoch und ich verdanke vieles von dem, was ich heute mache, meinen Erfahrungen über die 3 Jahrzehnte.
2006 wurde ich in die DGPh berufen, bin Mitglied im PIC-Verband und im DJV-Berlin (war fast 2 Jahre lang stellvertretende Vorsitzende 'Fachausschuß Bild'). Online bin ich bei der Saatchi Online-Gallery, Seen.by, Profotograf und United Photographers.
Wie sind Sie zur Fotografie bekommen? Was war der Einstieg?
Ich war erst 17 Jahr alt, als mir klar wurde, dass die Photographie mein Ein- und Alles ist. Und bis zum heutigen Tage hat sich das nicht verändert - Photographie ist mein Leben. Sie berührt mich im Kern. An dieser absoluten Gewissheit orientiert sich seither einfach alles, was ich beruflich tue oder künstlerisch anstrebe. Schon von Anfang an konnte ich meine Bilder im Kopf visualisieren, habe das fertige Bild schon in der S/W Umsetzung im Kopf gehabt. Zu analogen Zeiten habe ich hauptsächlich in S/W gearbeitet, habe mir sofort ein Fotolabor zugelegt und habe meine Bilder selber entwickelt und vergrößert. Dieser unaufhörliche Dialog fordert und erfüllt mich - mit allen seinen Glücksmomenten und Selbstzweifeln. Und das wird hoffentlich immer so bleiben dürfen.
Worin liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?
Meine Arbeitsschwerpunkte sind die Architektur-, Landschafts-, Journalismus- und Reisefotografie. Themen, mit denen allein sicher keine Einzelstellung zu erreichen ist. Aber ich traue mir zu, die Herausforderung, die sich mir hier im Einzelfall stellt, auf meine sehr persönliche Weise zu bewältigen - und durchaus mit hohem Widererkennungswert auch für meine Auftraggeber.
Mein Anspruch ist es, nicht nur ein einzigartiges Ergebnis, sondern im Schaffensprozess auch ein für alle Beteiligte einzigartiges Erlebnis entstehen zu lassen. Denn nur Tania Reh betrachtet das individuelle Objekt/Projekt ihres Auftraggebers durch das professionelle 'künstlerische' Auge von Tania Reh. Und damit ist die Frage wohl beantwortet, worin ich mich von herkömmlichen Agenturen unterscheide: durch mein individuelles Verständnis 'meiner' Photographie - weitab von jedem Standard - und durch meine photographische Vision. Dies gilt übrigens auch für meine weiteren Angebote, über die meine Website www.artania.de und www.tania-reh.de informiert.
Für welche Kunden und Bereiche arbeiten Sie?
Meine Kunden sind Architekten, Hotels, Tourismus-Unternehmen. Aber auch Firmeninhaber, die mich z. B. mit Produktionsfotos ihres Betriebes beauftragen. Den Schwerpunkt meiner Arbeiten bildet für mich die "Outdoor-Photographie".
Wie lässt sich der besondere Stil ihrer Arbeiten beschreiben? Was macht ihn aus?
Es wird mir nachgesagt, dass ich ein besonderes Auge für Details habe. Dass ich Dinge wahrnehme, die andere übersehen. Deshalb gehe ich gerne zum Motiv - dort, wo es in seinem originären Kontext eingebettet ist, mit all seinen Unwägbarkeiten des Augenblicks - wie etwa Licht- oder Witterungseinflüsse oder das unvorhersehbare Einwirken von Menschen auf seine Gestalt. Ich will nicht nur den Gegenstand einfangen, sondern auch das, was ihn ausmacht und umgibt. Ich will ihn authentisch. Darauf bin ich bereit, lange zu warten. Und so rückt manchmal völlig Unerwartetes plötzlich in den Mittelpunkt und ist doch genau das, was ich instinktiv von Anfang an zu "er-warten" erhofft hatte. Ich liebe es zudem, mit Perspektiven zu spielen. Es macht atemlos, was ihr Wechsel am selben Objekt bewirkt.
Wenn diese Dinge geschehen, weiß ich absolut sicher, dass meine Arbeit gut und richtig ist. Sie machen ihren Stil und ihre Ergebnisse aus.
Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit 'Zeit' und 'Vergänglichkeit'. Welche Bedeutung haben diese Themen für Ihre Arbeit?
Seit fast zwei Jahren lasse ich mich in verlassenen Krankenhäusern und Kasernen treiben - und bei jedem Besuch arbeitet es sofort in meinem Kopf. Was diese Wände aus der Vergangenheit zu erzählen haben! Manchmal bin ich so beeindruckt, dass ich erst einmal nur regungslos da stehe und die Eindrücke auf mich wirken lasse. Dann langsam kommt meine Kamera dazu und ich nehme auf, was ich sehe und spüre. Es ist Zeitgeschichte pur: Diese Gemäuer haben viele Epochen durchlebt und viele Stimmen gehört. Und das fange ich ein und gebe es durch die Art und Weise meiner Bildsprache und Bildbearbeitung dem Betrachter weiter. Ohne jede inhaltliche Manipulation - bestenfalls durch die Anhebung der Kontraste und durch die Bildbearbeitung das Material spüren zu lassen. Atmosphärisch ungeheuer dicht. Es ist unglaublich, was dabei herausgekommen ist: Man riecht und fühlt förmlich, was man sieht. Da ist wirklich Einzigartiges entstanden. 'Zeit' und 'Vergänglichkeit' sind hierbei für mich von elementarer Bedeutung: sie bilden die substantiellen Zutaten, die das haben möglich werden lassen.
Leider verhindert oft die Bürokratie, dass mehr solcher Dialoge entstehen. Dann bleiben mir die Türen im wahrsten Sinne des Wortes durch die Zögerlichkeit der Verantwortlichen verschlossen.
Was bedeutet für Sie Kreativität vs. Kundenvorgabe? Wie gross ist für Sie die Freiheit, in Kundenprojekten Neues und Kreatives einzubringen?
Natürlich kommen in der Frage des "Was" auch viele meiner Kunden mit ganz präzisen Vorgaben zu mir. In der Frage des "Wie" allerdings zeigen sie sich äußerst empfänglich für kreative Vorschläge. Ebenso wie in anderen Bereichen gibt es schließlich auch in der Photographie viele Wege, das gesteckte Ziel zu erreichen. Meine Kunden erwarten regelrecht von mir, Neues oder bisher nicht da gewesene Qualitäten in ihr Projekt einzubringen. Sie wollen ein einzigartiges Ergebnis. Das bekommen sie schon allein durch das Besondere, was mich als Photographin und meine persönliche Auffassung von Photographie ausmacht. Darin liegt die Freiheit, die ich mir nicht nehmen lasse und die Freiheit, die meine Kunden sich nehmen, wenn ihre Wahl auf mich fällt.
Gibt es ein persönliches Lieblingsprojekt - und wenn ja - was ist das besondere daran?
Zurzeit arbeite ich an meiner neuen Reihe "Wandgeschichten" - am 4. September 2009 ist die Ausstellungseröffnung in der Monochrom Galerie in der Ackerstraße 23 – 26, 10115 Berlin (Mitte).
Das ganz Besondere daran ist, dass ich Zeitzeugen, die sich an oder in den Wänden niedergeschlagen haben, photographisch festhalte und damit in ihrem gegenwärtigen Vergänglichkeits-Stadium unvergänglich dokumentiere. Das "Bild des Tages" ist eines davon. Diese Motive "sprechen" mit mir und bieten zugleich einzigartigen Gesprächsstoff. Es bleibt dabei jedem Betrachter überlassen, ihre Botschaften zu empfangen und sie auf seine Weise zu entschlüsseln und zu interpretieren.
Ich bearbeite meine Bilder zudem so (und das ist auch etwas ganz besonderes), dass z. B. die Struktur der Wand so echt aussieht, dass sie Menschen zu dem Versuch animiert, die Farbe mit dem Fingernagel abzulösen. Ich denke, das spricht für sich.
Was ist Ihre persönliche Inspirations-Quelle für Kreativität?
Die Antwort ist ganz einfach: Ich suche nicht das Thema - sondern das Thema findet mich. Ich sitze niemals da und überlege: "was kannst Du als nächstes angehen?". Ich lasse die Dinge eher an mich herankommen. Die Themen "vergessene/verlassene Häuser"… "Wandgeschichten"… Manchmal, finden und verlieren mein Thema und ich uns auch erst mehrmals - bevor wir eine Beziehung eingehen. Und plötzlich ist sie dann da, diese kompromisslose Leidenschaft, die mich dann nicht mehr los lässt. Ich denke, dieses unglaubliche Gefühl kennt jeder, der kreativ ist. Der Gedanke daran beherrscht alles. Man ist glücklich. Man will einfach nichts anderes mehr, als das. Man weiß absolut sicher, dass es gut wird. So betrachtet sind die Inspirations-Quellen meiner Kreativität meine Gelassenheit, auf den richtigen Augenblick zu warten, und die Fähigkeit zu erkennen, wann er gekommen ist.
Projekte und Bilder von Tania Reh sehen Sie in unserer Galerie
Die Website von Tania Reh ist unter www.artania.de zu finden.
Kategorien: Kreativ-Szene, Kreativer der Woche

Kommentare
Karsten Pfeifer am 08.06.2009 12:55
Der durchgehende Stil Deiner Arbeiten ist eine Inspiration für jeden Fotografen. Mein Respekt mit Gruss aus München.
laurence ciclet am 08.06.2009 15:10
Chère Tania,
Quel professionalisme et quel engagement! Tes dernières photos aux compositions excellentes sont un régal pour l'oeil et pour l'esprit...
Laurence
Uwe Nölke am 08.06.2009 16:23
Liebe Tania, ganz große Klasse Deine Fotos. Wo findest Du all diese unglaublichen Orte? Sind das alles Hinterlassenschaften der DDR in Berlin. Wünschte, wir hätten hier in Frankfurt auch nur annähernd ähnliches zu finden.
Schöne Grüße und gut Licht
Uwe
Rainer Langer am 08.06.2009 17:38
Liebe Tania.
Deine Bilder haben den Stoff, aus dem so manche Träume sind.
Das könnte auch gut ein "Märchenbuch" für Erwachsene werden.
Verwunschen und verträumt, realistisch und radikal.
Momentaufnahme vom Status Quo, der bald schon verschwunden ist.
Bin gespannt wie Du weiter machst und wo die "Reise" hin geht.
Zeig uns mehr davon.
Herzliche Grüße aus Trier - Rainer
Dennis Gerbeckx am 09.06.2009 09:00
Liebe Tania,
ich freue mich auf Deine Ausstellung, klasse Fotos und mach weiter so! Deine Aufnahmen haben wirklich "Seele" !!
lg, Dennis
Rolf Nachbar am 09.06.2009 22:23
Liebe Tania,
wunderbare Arbeiten, tolle "lost places". Ich habe aber keine Angst, das die Morbidität der Locations auf Dich übergeht:-)
Weiter so, ich bin gespannt, was noch so alles kommt..
Herzliche Grüße,
Rolf
Renate Röhrig am 11.06.2009 16:25
Liebe Tania,
Glückwunsch zu dieser neuen Serie!
Beeindruckend, wie du Kreativität beschreibst und mit deinen Bildern dokumentierst.
Wie immer überzeugen die Bilder durch ihre künstlerische Qualität, behalten aber oft auch etwas Geheimnisvolles.
Wir sind gespannt auf deine künftigen Werke und die Ausstellung am 4.September.
Herzliche Grüße von Klaus und Renate
Joachim Miltenberger am 12.06.2009 17:43
Morbiden Charme versprühen diese fotografischen Meisterwerke und verleihen den Locations ein Leben und eine Ästhetik der ganz besonderen ART.
Ich wünsche für die kommende Ausstellung viel Erfolg
Joachim Miltenberger
Holger Hahn am 07.07.2009 17:07
Hallo Tania,
tolle Sache, das Interview und die Art der Präsentation! Du findest immer wieder klasse Motive mit einem besonderen Charme. Und machst die dafür passenden Fotos! Großes Kompliment!
Schöne Grüße aus Düsseldorf
Holger Hahn
Martina Brinkmann am 20.07.2009 14:13
Liebe Tania,
ich bewundere Dein kreatives Auge seit fast 3 Jahrzehnten und bin sehr glücklich, dass Du "Deinen Weg" kontinuierlich weitergegangen bist. Das Ergebnis sind Bilder mit Deiner Handschrift, die immer wieder mein Inneres berühren. Die neue Serie
"haut mich um", so spannende Geschichten kannst nur Du mit Deinen Bildern erzählen! Ich freue mich riesig auf Deine Ausstellung.
Liebe Grüße aus Frankfurt
Tinchen
Nico am 24.08.2009 14:10
Beeindruckend!
Nico
ulli hartmann am 01.09.2009 11:29
kompliment schön komponierte bilder grandiose location
das kann doch nur der alte osten seien oder ?
war grad in mac pomm unterwegs so was schönes habe ich aber nicht gefunden.
lg ulli