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Interview mit der Fotografin und Buchautorin Carina Meyer-Broicher

24.04.09 12:28 | S. Obermüller

Interview mit der Fotografin und Buchautorin Carina Meyer-Broicher "For the love of photography"

Frau Meyer-Broicher, wie und wann kamen Sie zur Fotografie (vom Hobby/Passion zur Berufung)?
Schon als ganz kleines Kind war ich von Fotos, aber auch von Gemälden und anderen Bildern, fasziniert. Mein Vater fotografierte sehr viel, wie es damals üblich war, in der Hauptsache Dias. Da er ständig um seine Kamera bangte während ich damit herumhantierte, bekam ich mit sieben meine erste eigene Kamera. Als ich alt genug war, bildete ich mich kontinuierlich in Fotografie und Labortechnik weiter, um meine Filme selbst zu entwickeln und die Fotos auszubelichten. Das war neben einem stressigen IT-Beruf alles recht schwierig. Das Aufkommen der digitalen Fotografie machte vieles einfacher und vor allem schneller, aber so nahm die Fotografie auch immer mehr Raum im meinem Leben ein. Obwohl ich bereits seit 1995 als Freie Fotografin in London arbeitete, hängte ich meinen Job erst Ende 2003 ganz an den Nagel und widme mit seitdem ausschließlich der Fotografie und dem Schreiben über fotografische Themen. 

Sie sind Fotografin und Künstlerin - wo sehen Sie den Unterschied zwischen diesen beiden Bezeichnungen?
Fotografie ist ein Handwerk und keine Kunst. So betrachte ich in der Regel Auftragsarbeiten nicht als künstlerische Fotografie. Die meisten Parameter werden vom Kunden vorgegeben, egal, ob es sich um Menschen-, Architektur- oder Produktfotografie handelt. Freie Arbeiten jedoch unterliegen einem kreativen Schaffensprozess: Von der Bildidee über die Aufnahme selbst bis hin zum fertigen Bild fließen viele schöpferische Akte zusammen und mit ein wenig Glück entsteht ein Werk, dass auch vom Betrachter als Kunst erachtet wird.

© Carina Meyer-Broicher
 

Neben der Fotografie verfassen Sie auch Bücher & Workshops rund um dieses Thema. Was sind ihre aktuellen Projekte?
Nachdem ich gerade ein Buch zum Thema People-Fotografie fertig gestellt habe, schreibe ich zurzeit etwas zu Thema Aktfotografie, Irgendwann dazwischen wird noch ein einwöchiger Workshop zum Thema Erotik und Akt in Moskau stattfinden.

Warum schreiben Sie Bücher?
Während meiner Tätigkeit als Redakteurin für ein großes Fotomagazin habe ich unzählige Fachbücher auf den Schreibtisch bekommen. Aber als Einsteiger in die Fotografie, insbesondere in die Digitalfotografie, wäre ich mit keinem zufrieden gewesen. Aber auch dem ambitionierten (Hobby-)Fotografen hätte ich keines der Bücher wirklich empfehlen können. So versuche ich einfach nur, fotobegeisterten Menschen etwas zu geben, mit dem sie auch praktisch etwas anfangen können. Die Erfahrungen aus vielen Workshops helfen mir dabei zu wissen, wo die größten Hürden liegen.

Bekannt sind u.a. Ihre Bücher und Fotos um Thema erotische und klassische Aktfotografie. Warum bevorzugen Sie dieses Thema? Was macht dieses Thema so spannend für Sie?
Der Mensch an sich ist ja schon ein spannendes, wenn nicht das spannendste, Motiv überhaupt. Aber mit Kleidern schlüpfen wir gerne in Rollen, die es auch für den Fotografen einfach machen, Modelle in einer ganz bestimmten Weise darzustellen, die dem Betrachter wenig Spielraum für Fantasien lässt. Bei unbekleideten Menschen sind wir da schon ein Stück näher an der „nackten“ Wahrheit. Und die fotografische Herausforderung mit Mitteln wie Licht, Bildschnitt und Blende den Menschen schön darzustellen, ist ungleich größer. Ebenso wie es in der erotischen Fotografie immer spannend ist, anhand der Reaktionen auf die Bilder zu sehen, wie breit das Spektrum der Erotik ist und was den einzelnen Betrachter anspricht.

Man sagt, dass viele Ihrer Bilder sowohl mit ungewöhnlichen Inszenierungen als auch mit Details aus ungewöhnlichen Perspektiven überraschen. Was heißt das genau?
Viele meiner Fotos, die dem Genre Erotik und Akt zuzurechnen sind, tragen Züge der Fetisch- oder auch BDSM-Fotografie. Das wirkt trotz zunehmender Kommerzialisierung des Themas in TV-Serien und Werbung noch immer etwas irritierend auf das Publikum. Ebenso wie Darstellungen von Rokoko-Szenarien oder Vampirgeschichten in diesem Genre. 
Mit den Details oder Perspektiven arbeite ich bewusst gegen die Sehgewohnheiten. Hier muss der Betrachter sich schon ein wenig mit dem Foto beschäftigen, um das Bild zu erfassen und Bilddetails zuzuordnen. So kann ich in der Aktfotografie auch abstrahieren.

     
© Carina Meyer-Broicher

 
In einem Zitat meinten Sie: „Ich möchte mit meinen Arbeiten Emotionen auslösen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Bild den Betrachter schockiert, erregt oder nur in angenehme Stimmung versetzt.“ Was möchten Sie mit Ihren Arbeiten erreichen? 
Emotionen auslösen (lacht). Natürlich möchte ich in erster Linie zeigen, wie ich Dinge bzw. die Menschen sehe. So ein Foto sagt oft sehr viel mehr über den Fotografen als über den Abgebildeten aus. Aber ich möchte auch einfach Bilder machen, an denen andere Menschen sich erfreuen können oder mit denen sie ihre Wand schmücken würden.


© Carina Meyer-Broicher

Ihr derzeitiges Projekt ist das Buch „Menschen fotografieren - Der Meisterkurs“. Fotografieren Sie Frauen anders als Männer?
Rein Aufnahmetechnisch in der Regel ja. Während Frauen im Normalfall weiches Licht benötigen, um zarte Haut oder ihr zartes Wesen darzustellen, liegt in der Männerfotografie der Schwerpunkt auf härterem Licht zu Charakterisierung. Auch die Perspektiven sind häufig anders, spiegeln eher Dominanz wieder oder zeigen den intensiven Blick direkt in die Kamera. Letztlich ist das Ziel aber das Gleiche: Die Persönlichkeit des Modells im Porträt einzufangen.
 

 

Das neue Buch von Carina Meyer-Broicher 
"Menschen fotografieren - Der Meisterkurs" 
erscheint am. 28.04.2009 im Markt + Technik Verlag

ISBN: 978-3-8272-4457-4
352 Seiten,
komplett 4-farbig,
€ 39,95 [D]

Link zum Buch

Kategorien: Buch & DVD Tipp, Kreativ-Szene, DI & Bildbearbeitung

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Kommentare

Pia am 27.04.2009 11:02

Schaut auf http://blog.mut.de/archives/1595 - da wird berichtet.-)

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